Du bist nicht unfotogen

“Ich kann mich auf Fotos nicht sehen!”
“Ich bin so unfotogen.” Kommen dir diese Aussagen bekannt vor?

Als Portraitfotografin kenne ich diese Sätze nur zu gut.
Ich bin davon überzeugt – es gibt keine unfotogenen Menschen.
Aber ich weiß woher diese Gedanken kommen, denn dafür gibt es eine ganz einfache und logische Erklärung.

Unser Spiegelbild verfälscht unser Selbstbild

Wir sind es gewöhnt uns täglich mehrfach selbst im Spiegel anzuschauen.
Wenn wir das Haus verlassen gibt es oft nochmal den Spiegelcheck, ob alles so sitzt, wie es sein soll. Wir drehen und wenden uns, verziehen unseren Mund, fahren uns durch die Haare, oder ziehen den Lippenstift nach. Und erst, wenn wir einigermaßen zufrieden mit uns sind, verlassen wir das Haus.
Mit diesem letzten Blick im Spiegel speichern wir unser Selbstbild im Kopf ab. Das ist trügerisch. Denn umso öfter wir uns im Spiegel betrachten, um so mehr gewöhnen wir uns an unser Spiegelbild. Und alles, an das wir gewöhnt sind, ist uns nun mal sympathisch.

Spiegelbild zeigt verfälschtes Selbstbild. Unfotogen

Doch dieses Spiegelbild ist im Vergleich zu einem Foto, seitenverkehrt und variabel und somit eigentlich auch ein verfälschtes Bild.
Und zudem haben wir Menschen auch kein exakt symmetrisches Gesicht. Also die Seite, die du im Spiegel als die Bessere und Schönere wahrnimmst, wird in Wahrheit spiegelverkehrt gezeigt. Auf einem Foto wird sie aber wirklichkeitsgetreu dargestellt. Also so, wie dich auch deine Familie, Freunde, Arbeitskollegen, Kunden und alle anderen Menschen sehen.
Das ist der Grund, warum wir so irritiert über uns Selbst, auf einem Foto sind und uns für unfotogen halten.

Fotos sind Momentaufnahmen, die im Vergleich zu unserem Spiegelbild nicht mehr zu beeinflussen sind. Sie haben recht wenig mit unserem abgespeicherten Selbstbild zu tun. Und deshalb fühlt sich ein Foto von einem selbst, so falsch an.
Doch nur wir nehmen diesen Unterschied wahr. Deswegen ist es auch für andere Menschen so schwer nachzuvollziehen, warum man mit einem Foto von sich so unzufrieden sein kann. 

Gewöhne dich an dich

Suche dir Fotos auf denen du dir gefällst und dich magst. (Bitte kein Selfie, also kein Bild, bei dem du die Frontkamera deines Handy benutzt hast, da Dieses dich wieder spiegelverkehrt zeigt. )

Dieses Bild solltest du, wenn möglich so oft, wie möglich ansehen. Also druck es aus, stell es auf deinen Schreibtisch, klebe es in dein Journal, oder Kalender, füge es auf deinem Handy als Hintergrundbild hinzu. So siehst du dich tagsüber bestimmt öfter, als du in den Spiegel schauen kannst und gewöhnst dich allmählich an dein natürliches und echtes Selbstbild. Und
wie oben schon geschrieben, finden wir das sympathisch an das wir gewöhnt sind.

 

SHARE THIS STORY

ANTJE WOLM

People Fotografin

Mehr über mich